„Hochwasserschutz ist Gemeinschaftssache.“

HKC im Gespräch: „Hochwasserschutz ist eine Gemeinschaftssache.“

Frau Falkenhagen, die Hochwasser-Katastrophe vom Juli 2021 hat viele Fragen aufgeworfen: Was ist da schief gelaufen? Wer trägt die Verantwortung? Vielleicht können Sie als Expertin des Hochwasser-Kompetenz-Centrums e.V. kurz die grundlegenden Zuständigkeiten im Hochwasserschutz erläutern.

Falkenhagen: Das ist eine Gemeinschaftssache – Städte, Gemeinden und Kreise sind auf der einen Seite zuständig. Auf der anderen Seite die Versicherungswirtschaft für die Existenzsicherung und natürlich der Bürger selber mit einer Pflicht zur Eigenvorsorge.

Inwiefern sind Bürgerinnen und Bürger in der Verantwortung selbst zum Schutz ihrer eigenen Objekte beizutragen?

Falkenhagen: Einerseits liegt es im eigenen Interesse, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Andererseits gibt es eine gesetzliche Vorgabe im Wasserhaushaltsgesetz, dass man Eigenvorsorge betreiben muss.

Frau Falkenhagen, das Hochwasser-Kompetenz-Centrum – kurz HKC- will die Aufmerksamkeit verstärkt auf das Thema Hochwasser zu lenken: Wo setzen Sie dabei an? Was sind Informationen die Bürgerinnen und Bürger bei Ihnen erhalten können?

Falkenhagen: Das HKC ist ein Verein – dieser setzt sich zusammen aus einer großen Interessengemeinschaft von Herstellern, Städten und Gemeinden – wir haben aber auch Bürger dabei und Ingenieurbüros. Unser Ziel ist es, besonders den Bürger zu befähigen, Eigenvorsorge zu betreiben. Wir haben zum einen viele Informationen auf unserer Homepage – zum anderen bieten wir auch den Hochwasserpass an: Das ist eine individuelle Bewertung eines Gebäudes mit Ortsbegehung, um sich alles genau anzusehen, und dann eine Gesamtkonzept für die Gefahrenabwehr zu entwickeln. Dann haben wir noch unser Infomobil: damit sind wir vor Ort unterwegs, um mehr Menschen gleichzeitig für das Thema sensibilisieren zu können. In dem Mobil haben wir das Thema konkret und greifbar aufgearbeitet – zum Beispiel: „Wie kann man Fenster abdichten?“ Wir zeigen aber auch Rückstauklappen – so kann sich jeder mit den eigenen Augen und Händen von den Möglichkeiten überzeugen.

Solche mobilen Infotermine haben wir gemeinsam mit Ihnen nach der Hochwasserkatastrophe 2021 vor allem in den Gebieten angeboten, in denen die Flut besonders starke Schäden angerichtet hat. Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben Sie aus diesen Beratungen mitgenommen?

Falkenhagen: Wir waren in der ganzen Nordeifel unterwegs -Eschweiler, Stolberg, Weisweiler – die ganzen Gebiete dort. Uns war erst nicht ganz klar, ob es gut ist dorthin zu fahren, da wirklich so viel zerstört war und wir ja „nur“ mit Beratung helfen und nicht mit anpacken konnten. Aber es hat sich gezeigt, es war wirklich eine super Sache: Die Leute waren sehr interessiert und der Fokus lag vor allem darauf, was es beim Wiederaufbau zu beachten gilt. „Was kann man machen, damit es einen nicht wieder so schlimm erwischt?“, war die allgegenwärtige Frage.

Das ist ein wunderbarer Schlusspunkt: wir alle müssen gemeinsam gegen das Hochwasser antreten. Nur zusammen können wir etwas bewegen und erreichen.

Vielen Dank für das angenehme Gespräch!

Info-Video: Das Infomobil des Hochwasser-Kompetenz-Centrums macht mit zahlreichen Anschauungsmaterialien den allgemeinen Hochwasserschutz wortwörtlich greifbar.: Anhand dieser geben die ExpertInnen Tipps rund um Rückstausicherung, baulichen Maßnahmen am Gebäude oder zur Verhaltensvorsorge.

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Im Gespräch: Bettina Falkenhagen, Expertin des Kölner Hochwasser-Kompetenz-Centrums e.V.

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