Entleerte Urfttalsperre ermöglicht Sedimentationsuntersuchungen

Vor 115 Jahren ging sie offiziell in Betrieb: Die Urfttalsperre. Zugleich bedeutet dies auch 115 Jahre Sedimenteintrag in den Stausee. Da der Stausee zur Inspektion des Kermeter-Stollens fast komplett abgesenkt werden musste, bot sich die günstige Gelegenheit, das Becken der Talsperre photogrammetrisch zu vermessen.

Das Projekt führte der Wasserverband Eifel-Rur zusammen mit dem Lehrstuhl für Physische Geografie und Geoökologie (PGG) der RWTH Aachen University durch. Seitens des PGG hatte Dr. Georg Stauch die Projektleitung inne, für den WVER übernahm dies Alexander Esch, der das Projekt initiiert hatte.

Herr Esch, was sind die Inhalte des Forschungsprojekts zur Sedimentation?

A. Esch: Die Urft hatte ausreichend Zeit, um Sedimente aus ihrem Einzugsgebiet in die Talsperre einzutragen. Daher soll zunächst untersucht werden, wie viele Sedimente in den letzten 115 Jahren abgelagert wurden. Der Wasserverband hat natürlich ein großes Interesse daran, zu erfahren, inwiefern das theoretische Stauvolumen von 45,51 Mio. Kubikmeter in dem See überhaupt noch zur Verfügung steht. Diverse Hangrutschungen am Ufer bestärken das Interesse an Volumenuntersuchungen. Hierdurch ist im oberen Bereich des Beckens ein Volumenzuwachs zu erwarten, während das abgerutschte Material wahrscheinlich zu einem Verlust an Volumen im unteren Bereich der Talsperre führt.
Des Weiteren wurden Sedimentproben genommen, um festzustellen, welche anthropogenen Einflüsse sich in den Sedimenten widerspiegeln.

Wie ist man dabei vorgegangen, ein interpretierbares Bild von der Talsperre und ihren Dimensionen zu bekommen?

A. Esch: Durch die Absenkung des Stausees bot sich die seltene Gelegenheit, eine UAV-basierte Vermessung durchzuführen. UAV bedeutet unmanned aerrial vehicle, also ein unbemanntes Luftfahrzeug. Damit ist nichts anderes als eine Drohne gemeint. Es wurden 7.000 Bilder aus 90 und 120 Meter Höhe gemacht und über 150 Passpunkte eingemessen, um das Becken der Urfttalsperre vollständig zu erfassen Das ist vermutlich das erste Mal, dass eine handelsübliche Drohne zu einer Vermessung in dieser Größenordnung eingesetzt wurde. Aus den Daten wird über Photogrammetrie ein detailliertes 3D-Modell erstellt. Dieses kann später mit historischen Daten abgeglichen werden, die das Tal der Urft vor dem Bau der Talsperre dokumentieren. Beispielsweise könnte das Kartenwerk der „Preußischen Nahaufnahme“ von 1893, das erstmals Höhenangaben enthielt, hierbei dienlich sein.

Die RWTH hat Sedimentproben genommen. Was wird dabei untersucht?

A. Esch: Wir haben im Stausee Sedimentschichten gefunden, die über drei Meter hoch sind. Aus der Zusammensetzung der Proben lässt sich mit Hilfe von sog. „geochemischen Markern“ untersuchen, welche Einträge durch den Menschen erfolgt sein könnten, etwa in Form von  Schwermetallen. Diese können wiederum in Relation zu der Landnutzung und den wirtschaftlichen Tätigkeiten gesetzt werden, denen die Menschen in der Region oberhalb der Talsperre nachgingen und nachgehen.

Untersucht wird ebenfalls das Vorkommen von Mikroplastik in den Sedimenten. Dadurch lassen sich Sedimentschichten auch zeitlich differenzieren, denn der Eintrag von Mikroplastik ist erst ab den 1950er Jahren dokumentierbar, als Kunststoffe verstärkt zu Einsatz kamen.

Alexander Esch kam nach seinem Studium der Wirtschaftsgeographie zunächst 2015 im Rahmen einer Elternzeitvertretung zum WVER. Danach war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH tätig, bevor er 2019 erneut zum Wasserverband wechselte. Esch freut sich, den Einsatz von Drohnen im Wasserverband künftig federführend vorantreiben zu dürfen und die Technologie als wichtiges Werkzeug im Tagesgeschäft zu etablieren.

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