Starker Austausch zum Hochwasserschutz im Landtag
Zum vierten Mal jährte sich vor wenigen Tagen die Flutkatastrophe, die auch weite Teile unseres Einzugsgebiets betraf. Seitdem hat der WVER viel unternommen:
Wir haben einen Plan: Seit der Juli-Flut 2021 untersuchen wir systematisch und mit Unterstützung von Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen unsere Flusseinzugsgebiete Inde/Vicht, Wurm, Urft/Olef und Rur hinsichtlich der Hochwassergefahren und erarbeiten umsetzbare Lösungsmöglichkeiten für den Hochwasserschutz. Die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Lösungen wird anhand von Computermodellen überprüft, um die Effektivsten herauszufiltern. Dabei hat sich klar herausgestellt, dass in engen Tälern der Mittelgebirgslagen (z.B. Vicht) vor allem Hochwasserrückhaltebecken und in weiten Tälern (z.B. Wurm) vor allem Deiche und Hochwasserschutzmauern wirksam sind. Renaturierungen und „Raum für den Fluss“ können bei den Hochwasserverhältnissen in unseren Einzugsgebieten keinen gleichwertigen Beitrag liefern und sind daher nur als lokale Ergänzung der erforderlichen technischen Hochwasserschutzmaßnahmen geeignet.
Wir investieren und setzen um: In 88 Projekten mit einem Budget von 127,5 Mio. € bringen wir den Hochwasserschutz in unserer Region voran. Unsere Projekte konzentrieren sich dabei nicht nur auf einige wenige Brennpunkte, sondern sind gleichmäßig über den Lauf unserer Gewässer verteilt.
Wir sind zielstrebig und ausdauernd: Die Umsetzung von Hochwasserschutzprojekten ist eine Marathonaufgabe: Grunderwerb, Natur- und Landschaftsschutz, Denkmalschutz, Finanzierung u.v.m. schränken unseren Handlungsspielraum oftmals sehr ein, dennoch halten wir das Tempo hoch. So lassen wir bei den beiden Hochwasserrückhaltebecken Rott und Mulartshütte nicht locker und werden Ende des Jahres mit den bauvorbereitenden Arbeiten beginnen, damit wir 2028/2029 beide Becken in Betrieb nehmen können. Mit der Wasseraufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG) planen wir eine Hochwasserüberleitung vom Hasselbach in die Wehebachtalsperre. Dort ist genug Platz für die Wassermengen und wir machen damit die Trinkwasserversorgung des Raumes Aachen/Düren resilienter gegen die Folgen des Klimawandels. Mit dem RWE prüfen wir die Nutzung des Restsees Inden als Hochwasserrückhaltung. Damit könnten wir die Unterlieger an der Inde und Rur bis nach Roermond sicherer gegen Extremhochwasserereignisse machen. Mit der Platißbachtalsperre planen wir sogar den Neubau einer kompletten Talsperre. Sie könnte Hellenthal und Schleiden im Oleftal vor Hochwasserereignissen schützen und die lokale und regionale Trink- und Brauchwasserversorgung stärken.
Wir sind innovativ: Ein großes Problem bei der Juli-Flut 2021 war, dass Hochwasserprognosen fehlten, die die Einsatzkräfte „vor die Lage“ hätten bringen können. Daher hat der WVER zusammen mit der RWTH Aachen und weiteren Partnern ein Projekt gestartet, bei dem im Einzugsgebiet der Inde/Vicht Wasserstandsensoren installiert werden. In Kombination mit Regenradar- und Bodenfeuchtedaten sollen mit diesen Sensoren Hochwasserwellen, die sich in den Kopfgebieten unserer Gewässer aufbauen, erkannt und Hochwasserprognosen für die unterhalb liegenden Siedlungen aufgestellt werden. 67 von insgesamt 84 geplanten Sensoren haben wir bereits installiert. Diese Vielzahl von Messwerten wird man im Ereignisfall nicht mehr händisch auswerten können, dazu braucht es ein innovatives Werkzeug: Künstliche Intelligenz! Die KI wird anhand von realen und von digitalen Zwillingen erzeugten Daten trainiert und damit so konfiguriert, dass sie die Hochwasserentwicklung für die kommenden ein bis zwei Stunden vorhersagen kann. In einem weiteren Projekt prüfen wir mit internationalen Partnern, wie die Hochwasserprognose auf das gesamte Einzugsgebiet der Eifel-Rur ausgeweitet und mit anderen Vorhersagesystemen, z.B. denen der Niederlande, kombiniert werden kann.
Wir bringen uns ein: Aus unserer praktischen Arbeit im Hochwasserschutz haben wir eine Menge Erfahrung gesammelt, die wir für ganz NRW einbringen können. Das tun wir durch unsere Mitwirkung bei der Hochwasserkommission des MUNV, welche die Hochwasserschutzaktivitäten des Landes fachlich begleitet. Hier haben wir eine Vielzahl von Impulsen und Initiativen eingebracht, die zu deutlichen Fortschritten im Hochwasserrisikomanagement führen, so haben wir z.B. ein Projekt zur Ermittlung von Klimaaufschlägen für die zukunftssichere Bemessung von Hochwasserschutzanlagen auf den Weg gebracht.



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